„Abios Amigos, der Lieblingsjahrgang geht“ – unter diesem augenzwinkernden Motto verabschiedete sich der Abiturjahrgang 2026 unseres Gymnasiums. Es war ein Abschied, der weit über das übliche feierliche Ritual hinausging. Denn was diese 46 Absolventinnen und Absolventen auszeichnet, ist nicht allein eine beeindruckende intellektuelle Bilanz, sondern eine spürbare, tief verankerte demokratische Haltung.
Musikalisch kraftvoll eröffnet von Sofie Herbst und Tobias Engel mit „My Lighthouse“, entfaltete sich ein glanzvoller Abend. Das Moderatorenduo Philip Meyer und Ashley Burris führte mit Witz, Charme und spielerischer Leichtigkeit durch ein Programm, das die Vielschichtigkeit dieser Jahrgangs widerspiegelte.
Dass es sich um einen Ausnahmejahrgang handelt, untermauern die nackten Zahlen: Ein herausragender Gesamtschnitt von 2,11, dreizehn Abschlüsse mit einer Note besser als 1,6 und die Traumnote 1,0 für Klara Kern und Helena Kohrmann. Oberstufenkoordinator Herr Kraft blickte mit einer Mischung aus Stolz und Humor auf die gemeinsame Zeit zurück. Als „Versuchsleiter“ des bildungspolitischen Experiments G9 lobte er die persönliche Entwicklung seiner ehemaligen „Versuchskaninchen“ zu reifen Erwachsenen und gab ihnen drei fundamentale Werte mit auf den Weg: Dankbarkeit, Demut und das kostbare Talent, den Moment zu genießen.
Schulleiter Christian Keil griff das Abschlussmotto auf und verglich den Jahrgang in seiner Festrede mit einem exklusiven Weinjahrgang. Die Bedingungen mögen herausfordernd gewesen sein, doch das Ergebnis sei ein Produkt von besonderer Reife, getragen von einer tiefen Verbundenheit zur Schule.
In den Reden wurde deutlich, dass die Schule mehr als nur Fachwissen vermittelt hat. Bürgermeister Christoph Schmoll schlug angesichts der sommerlichen Temperaturen den Bogen zum Klimawandeln und mahnte, in Zeiten von Social-Media-Polemik kritisch zu hinterfragen. Die Absolventen haben hierfür das Rüstzeug erhalten, um die Meinungsbildung nicht den lauten, einfachen Antworten zu überlassen.
Wie tief dieses demokratische Bewusstsein bereits verankert ist, betonte die stellvertretende Schulleiterin Sabine Leidenberger. Unvergessen bleibt die von der gesamten Schule getragene Demonstration für Demokratie. Leistungsstark und handlungsbereit hat dieser Jahrgang alle Möglichkeiten, multiple Krisen mit Anstand zu begegnen und ein inklusives „Wir“ zu gestalten. „Seid ihr die Veränderung!“, rief sie den jungen Erwachsenen zu.
Die Abiturrede von Helena Kohrmann ließ die Schulzeit Revue passieren – von den schüchternen Anfängen in der fünften Klasse über die Phase des „Hausaufgabenkommunismus“ im digitalen Corona-Unterricht bis hin zu den prägenden Fahrten nach London und Hamburg und den legendären „Pilgerreisen“ in den Freistunden. Ihr Fazit geriet zu einem Plädoyer für die demokratischen Werte der Schule: „Wir verlassen diese Halle als überzeugte Demokraten.“
Das außergewöhnliche Engagement des Jahrgangs schlug sich auch in den Verleihungen nieder. Neben zahlreichen Fachpreisen in den Natur- und Geisteswissenschaften wurde der begehrte Hermann-von-Bezzel-Preis des Fördervereins (vertreten durch Herrn Fischer) für die besten W-Seminar-Arbeiten an Leni Beil, Helena Kohrmann und Klara Kern verliehen. Den ersten Platz belegte Klara Kern mit einer analytisch scharfen Arbeit über Mehrdeutigkeit und Hass in sozialen Netzwerken (betreut von Lena Langenbach) – ein Thema von brennender Aktualität. Den Diakoneo Sozialpreis erhielt Niklas Feuerstein für seinen unermüdlichen politischen und demokratischen Einsatz im Jugendforum „Youmocracy“ sowie in der Gemeinde.
Am Ende der Zeugnisvergabe schloss sich der Kreis wieder im Künstlerischen: Ashley Burris verzauberte das Publikum mit ihrem selbst geschriebenen Song „Goodbye“. Ihre Melodie trug die Erinnerungen an die vergangenen Schultage in den Raum und öffnete gleichzeitig das Tor zu einem neuen, vielversprechenden Lebensabschnitt.
Abios Amigos – ein großer Jahrgang geht, aber seine Spuren bleiben.
C. Ruf
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