Ganz oben auf dem Gipfel

 

„Ihr seid alle Verlierer,“ brüllt Ico, selbstbewusst gespielt von Frederico Costa-Sitzmann, mit Inbrunst ins Publikum. Er will ein Gewinnertyp sein, denn darum gehe es, wenn man erwachsen wird, so sieht er das. Zu Beginn. Aber so einfach ist es nicht. Und genau darum geht es in dem Theaterstück der Oberstufe von Gymnasium und FOS, das einen Rat aus jungen Menschen rund um die großen Antworten des Lebens suchen, spielen und diskutieren lässt.

 

 

Das Theaterstück „(K)ein Drama“, von den SchülerInnen unter Leitung von Frau Graeff selbst geschrieben, bringt 9 Figuren an einen gemeinsamen Tisch. Sitzungszeit, hier soll in regelmäßigen Abständen um Lösungen gerungen werden, Pandemie stand schon auf der Tagesordnung, oder Kriege, so die Vorsitzende Cecile. Das heutige Thema lautet jedoch: „Erwachsenwerden“. Und es bringt die unterschiedlichen Charaktere in große Schwierigkeiten.

 

 

Da wäre der lustige Eddie, er wählt als sein Zeichen den Igel, und ist nicht zufrieden mit der überheblichen Haltungen von Ico und Cecile, die immer nur ans Gewinnen denken, als Einzelkämpfer, mit einer Portion Eigenliebe. An seiner Seite kämpft verzweifelt die ängstliche Molly, und bietet mit ihrer unterwürfigen, aber impertinenten Art doch Paroli gegen die Front der selbsternannten Starken, bis sie andere Mitglieder überzeugen kann.

 

 

Das Schauspiel spitzt sich zu: In „Inputs“, die neue Hintergründe zum Thema ergänzen, wandeln sich die 9 SchauspielerInnen kurzerhand zu Darstellern von Alltagsszenen, die Höhen, Tiefen und Abgründe des Erwachsenwerdens beleuchten: Depressionen, Siegeswillen, Homophobie, das Zusammentreffen von Generationen oder den alltäglichen Druck. Hier spielt die Truppe voller Ideen und Lebendigkeit auf: Der Sitzungstisch wird zur Bühne des Lebens – und anschließend diskutieren wieder die 9 Ratsmitglieder über die Deutung des gerade erlebten Inputs. Und die akkurate Protokollantin, Olivia, gespielt von Anna Kühn, darf die Ergbnisse auf Karteikarten an einer Pinnwand festhalten, bis sie selbst daran verzweifelt.

 

 

Das Stück entwickelt seinen ganz eigenen Sog: Anfangs dominieren die Sichtweisen von Pflichterfüllung, Anpassung, Siegeswillen und Einzelkämpfertum. Aber Input für Input wird es turbulenter, setzen sich Zweifel und Einwürfe über Zusammenhalt, Ruhepausen, Glück und Liebe durch, bis es zwischen den Figuren eskaliert und sie sich ihre Zweifel und Erkenntnis lautstark um die Bühne schlagen.

 

 

Zwischendrin wird das Publikum hinzugezogen: Immer wieder muss der „Buzzer“ gedrückt werden, um neue Inputs zu starten. Und an der stärksten Stelle des Stücks, als alle Figuren streiten und das Ringen um Offenheit oder Intoleranz die Bühne zu sprengen droht, rufen die SchauspielerInnen verzweifelt nach der Hilfe des Publikums, um den Buzzer wie eine Waffe gegen die unsägliche Intoleranz zu richten.

 

 

Und dann endet es auch schon: Ein Stück, das leise und bissig mit diesem schweren Thema begonnen hat, findet ein starkes Ende rund um die Veränderungen, die Erwachsensein mit sich bringt. Und lässt Zeit und Raum, um am Ende mit den SchauspielerInnen ins Gespräch zu kommen und noch tiefer in das Thema hinabzusteigen.

 

 

Ein starkes Thema, ein starkes Stück. Auch eine bravouröse Leistung des souveränen Technikteams. Das Oberstufentheater hat mit „(K)ein Drama“ ein großes Drama um ein besonderes Stück Leben, das Erwachsenwerden, erfolgreich entworfen und aufgeführt.

C. Ruf

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