Wenn der Druck steigt

 

"Deine Freundin hat für die Prüfung 20 Seiten zusammengefasst. Und du?" fragt das schlechte Gewissen hämisch die 17-jährige Schülerin, die gerade ihre Freunde über ihre Leistungsfähigkeit belogen hat. Emilia spielt dabei die innere Qual des ständigen Lernens und des Nicht-Genügens facettenreich und mit Nachdruck: "Ich habe nicht einmal zwei Seiten ..."

 

 

Das Stück beginnt mit dem Thema Prüfungsangst und bewegt sich auf der Bühne auch exakt in diesem Rahmen, dem engen Prüfungsraum und den darin zitternden Schüler*innen. Dabei wird durch zahlreiche spielerische Elemente das innere Dilemma der Figuren deutlich: Handsocken entpuppen sich als überlegene Streber. Der Klimademonstration geht unter dem wachsenden Druck wörtlich die Luft aus. Der Distanzunterricht offenbart die Absurdität der Notenerhebung. Und das eigene Tagebuch reflektiert die innere Verletzlichkeit und Ohnmacht und findet kaum einen Ausweg aus der Situation.

 

 

Bedrückend ist die Stimmung und Nähe zwischen Gespieltem und Spielenden. So trifft beinahe jede Szene die Zuschauer*innen ganz direkt, macht die verzweifelte Lage zwischen Corona, Leistungsdruck und drohendem Abitur greifbar. "Ich war an einigen Stellen sehr bewegt und musste mir die Tränen verkneifen," gesteht Herr Engel, Englisch- und Geografielehrkraft, direkt nach dem Stück. Und das, obwohl "Abiturdramen" selbst unter ganz besonderen Umständen geprobt und aufgeführt werden muss.

 

 

Frau Graeff arbeitet mit der gesamten Truppe schon ein halbes Jahr an dem Stück. Und ausgerechnet in der Probenwoche vor der Uraufführung muss sie in Distanz bleiben und kann nur aus der Entfernung unterstützen. Doch gerade die unbändige Energie der Schauspieler*innen und der kluge Einsatz der Bühnentechnik macht das Stück derart bewegend und hat letztlich dazu geführt, dass auch die Aufführungen unter Pandemiebedingungen zu einem ergreifenden Erfolg werden.

 

 

Dazu beigetragen hat auch Luca Hartmann, der 2021 erfolgreich das Abitur an unserer Schule bestanden hat, und mit seiner eigenen Veranstaltungsfirma für die richtige Technik sorgt - nicht zuletzt dafür, dass das Stück zu den Aufführungen aus verschiedenen Perspektiven live gestreamt werden konnte.

Ein großartiges Stück, ganz nah an der Wirklichkeit der Schauspieler*innen. Auch Frau Graeff ist sehr zufrieden: "Danke an alle, die diese Aufführungen möglich gemacht haben. Gerade, da es eine Eigenproduktion der Oberstufenkurse ist, die ich in den Endproben nur aus der Distanz begleiten konnte, bin ich vom Ergebnis umso mehr beeindruckt!"

 

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